Beurteilt Ihr Arbeitgeber, ob die psychische Arbeitsbelastung Ihre Gesundheit gefährdet?

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Lieber Gast,

als Führungskraft oder Mitarbeiter erbringen Sie für Ihren Arbeitgeber Leistungen und erhalten hierfür Geld. Damit Sie dies bis zur Rente tun können, muss Ihr Körper und Geist während Ihres Arbeitslebens gesund bleiben. Und auch danach im verdienten Ruhestand ist Ihre Gesundheit mit der wichtigste Faktor für Ihre Lebensqualität.

Viele Arbeitgeber wissen das und handeln entsprechend, z.B. durch ihre Führungskräfte- und Personalentwicklung oder ihr Betriebliches Gesundheitsmanagement. Manche Arbeitgeber tun jedoch nichts oder zu wenig, um Sie vor Gefahren zu schützen, die Ihre körperliche und geistige Gesundheit schädigen.

Aus diesem Grund verpflichtet der Gesetzgeber mit dem Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) den Arbeitgeber, durch Maßnahmen die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten zu sichern und zu verbessern. Solche Maßnahmen müssen Unfälle und arbeitsbedingte Gesundheitsgefahren verhüten und die Arbeit menschengerecht gestalten (§ 1 und 2 ArbSchG).

Zu den Grundpflichten Ihres Arbeitgebers gehört es u.a. (§ 3 ArbSchG), dabei die Umstände bei der Arbeit zu berücksichtigen, die Ihre Sicherheut und Gesundheit beeinflussen, und die zu prüfen, ob die Maßnahmen des Arbeitsschutzes wirksam sind und ob diese ggfs. an ändernde Gegebenheiten anzupassen sind. Organisation und Mittel hierfür sind von Ihrem Arbeitgeber hierfür bereitzustellen.

Weiter hat Ihr Arbeitgeber dabei von bestimmten Allgemeinen Grundsätzen auszugehen (§ 4 ArbSchG). Hierzu gehören z.B. das Gefahren an ihrer Quelle zu bekämpfen sind, bei den Maßnahmen der Stand von Technik und Wissenschaft zu berücksichtigen sind, die Maßnahmen sachgerecht zu verknüpfen sind oder individuelle Schutzmaßnahmen nachrangig zu anderen Maßnahmen sind, d.h. die Änderung von Verhältnissen und Strukturen hat Vorrang.

Um zu ermitteln, welche Maßnahmen des Arbeitsschutzes erforderlich sind, hat Ihr Arbeitgeber die mit Ihrer Arbeit verbundene Gefährdung zu beurteilen (§ 5 ArbSchG), die sich insbesondere ergeben durch die (1) Gestaltung Ihres Arbeitsplatzes, (2) physikalisch-chemisch-biologische Einwirkungen, (3) durch die Arbeitsmittel, (4) die Gestaltung der Arbeitsverfahren, Arbeitsabläufe und der Arbeitszeit, (5) unzureichende Qualifikation und Unterweisung und durch (6) psychische Belastungen bei der Arbeit.

Da durch den Wandel der Arbeitswelt heute psychische Belastungen bei der Arbeit mit die bedeutsamste Quelle der Gefährdung der Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten darstellen, hat der Deutsche Bundestag als Gesetzgeber im Oktober 2013 diese ausdrücklich in das Arbeitsschutzgesetz hineingeschrieben. Zwar bestand die Pflicht bereits zuvor, psychische Belastungen zu berücksichtigen und einige Unternehmen haben dies auch getan, doch zeigen Ergebnisse von Studien, dass die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen bis dahin kaum verbreitet war.

Seit der Änderung des Arbeitsschutzgesetzes rückt nun auch diese Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung in den Fokus von Arbeitgebern, Führungskräften und Mitarbeitern. Auch Krankenkassen, Berufsgenossenschaften, Gewerkschaften sowie staatliche Stellen wie die Arbeitsschutzämter agieren noch aktiver in Bezug auf psychische Belastungen bei der Arbeit und bieten zahlreiche Hilfen an, um Arbeitgeber und Arbeitnehmern bei der Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen zu unterstützten.

Denn kommt Ihr Arbeitgeber diesen Pflichten nicht nach, muss er Schadenersatz leisten die Kosten für arbeitsbedingte Erkrankungen und ihre Folgen zahlen. Jedoch haben Sie als Führungskraft oder Mitarbeiter auch die Unterstützungspflicht Ihren Arbeitgeber oder dem zuständigen Vorgesetzten jede von Ihnen festgestellte unmittelbare erhebliche Gefahr für die Sicherheit und Gesundheit sowie jeden an den Schutzsystemen festgestellten Defekt unverzüglich zu melden (§ 16 ArbSchG).

Dies bedeutet, dass es auch Ihre Aufgabe als Führungskraft oder Mitarbeiter ist, Ihren Arbeitgeber auf Gefahren durch psychische Belastungen hinzuweisen oder auf Mängel bei den Maßnahmen, die eine Gefährdung durch psychische Belastungen bei der Arbeit mindern.

Die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung ist zwar ein komplexes Thema, doch baut sie auf der allgemeinen Gefährdungsbeurteilung auf, die seit 1996 durch das Arbeitsschutzgesetz Pflicht ist und von den meisten Unternehmen auch durchgeführt wird. Zudem bietet sich mit der Mitarbeiterbefragung ein Instrument zur Ermittlung psychischer Belastungen an, das bereits in vielen Organisationen fest etabliert ist und eine Reihe von Themen enthält, die auch bei der Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung eine Rolle spielen.

Es liegt in Ihrem Interesse als Führungskraft oder Mitarbeiter und auch in dem Ihres Arbeitgebers, dass Sie und Ihre Kolleginnen und Kollegen mental gesund und fit bleiben, damit Sie noch lange und dauerhaft leistungsfähig sind, und Freude an Ihrer Arbeit haben.

Was können Sie als Führungskraft oder Mitarbeiter tun? Das lesen Sie in diesem Blogbeitrag:
http://stefan-klemens.de/content/psychische-fehlbelastungen-bei-der-arbe...

Wenn Sie Fragen haben oder mehr dazu wissen möchten, wie man eine Mitarbeiterbefragung zur Ermittlung psychischer Belastungen durchführt, dann kontaktieren Sie mich bitte.

Mit besten Grüßen

Ihr Stefan Klemens