Gerd Gigerenzer in Düsseldorf am 25.11.2015 und Rückblick zur Nacht der Wissenschaft

Bild von Düsseldorf

Foto: Stefan Klemens

Lieber Besucher,

der 25. September 2015 bei der »Nacht der Wissenschaft« in Düsseldorf am Schadowplatz und im Haus der Universität war nicht nur ein toller Abend, sondern machte mich auch auf einen interessanten Termin aufmerksam: Prof. Dr. Gerd Gigerenzer, Experte für menschliches Entscheiden, kommt am 25. November nach Düsseldorf und hält einen Vortrag unter dem Titel »Warum fürchten wir, was uns nicht umbringt?«

Die zweite Düsseldorfer Nacht der Wissenschaft war eine Veranstaltung der Hochschule Düsseldorf (früher: Fachhochschule Düsseldorf), der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und der Landeshauptstadt Düsseldorf mit mehr als 30 Aktionen zu sechs Themenfeldern wie Düsseldorf als Zukunftsstadt, Medien und Kommunikation, Medizin und Technik.

In mehreren Zelten auf dem Schadowplatz und in den Räumen des Hauses der Universität auf drei Etagen informierten junge und nicht mehr ganz so junge Forscher mit Unterstützung verschiedener Geräte und Apparate über das, was sie den ganzen Tag (und einige wohl auch bis in die Nacht hinein, wenn der Forscherdrang die Zeit vergessen lässt) so treiben. Zudem gab es klassische Vorträge im Vortragsaal, die um 23 Uhr mit nicht so klassischen Vorträgen, nämlich einem Science Slam, endeten (mehr dazu unten).

Bei »Trails of Memory« erfuhr ich z.B., wie historische Aufnahmen von Düsseldorf (1920 bis heute) direkt am Ort des Geschehens über eine App auf dem Smartphone abgerufen werden können. Viele der Besucher zog es auch zum »Bogenschießen in der virtuellen Realität«, wo mittels eines echten Bogens und dem kommenden Gaming-Tool, der Virtual-Reality-Brille, in einer 3D-Welt Aufgaben im Team zu lösen waren.

Doch der Beitrag regte auch an weiter zu denken: Denn nicht nur steckt spielerisches Potenzial in der VR-Brille und der immer höheren Auflösung der Bilder, sondern auch eine Menge beruflicher Anwendungen sind vorstellbar: Von der Simulation zukünftiger Gebäude bis zur Simulation komplexer Tätigkeiten. Auch die Tuna Tech GmbH, ein interessantes Start-Up und Off-Spin der Uni Düsseldorf, war vertreten und präsentierte einen vom aussterbenden bedrohten Roten Thunfisch aus eigener Aquakultur.

Dem Thema »Gute Entscheidungen treffen« hatte sich der Lehrstuhl für Accounting angenommen, und die Besucher konnten mittels eines Schätzspiels einige grundlegende Entscheidungsfehler kennen lernen, die z.B. der Wirtschaftsnobelpreisträger und Psychologe Daniel Kahneman oder auch Gerd Gigerenzer (ebenfalls Psychologe) erforschen. Wer jetzt denkt, hier wurde zu dem oben angekündigten Vortrag von Gerd Gigerenzer eingeladen, ist jedoch auf dem Holzweg.

Nach einer Stärkung mit Bratwurst ging es ins Gebäude, dem Haus der Universität, zumal die Sonne untergegangen war und die Herbstnacht anbrach. Auch dort gab es viele interessante Demonstrationen, wie dem bekannten Wahl-O-Mat als Entscheidungshilfe (wissenschaftlich begleitet durch die Uni Düsseldorf) und dem neuen »lokal-o-mat« für die Kommunalwahl, einer Reihe medizinischer Themen z.B. zur Krebstherapie oder dem 3D-Druck neuer Hüften.

An diesem Stand des Max-Planck-Instituts für Eisenforschung mit seinen interessanten Materialien blieb ich hängen, und dort fiel mir der Flyer in die Hände, der auf den Vortrag von Gerd Gigerenzer am 25.11.2015 von 18 bis 19 Uhr hinweist. Denn Veranstalter und Veranstaltungsort ist das Max-Planck-Institut für Eisenforschung in Düsseldorf! Da war ich wirklich überrascht. Eine Anmeldung ist bis zum 24.11.2015 per E-Mail möglich.

Wer ist Prof. Gerd Gigerenzer eigentlich? Autor mehrerer Bestseller (z.B. Risiko: Wie man die richtigen Entscheidungen trifft; Bauchentscheidungen: Die Intelligenz des Unbewussten und die Macht der Intuition), gefragter Interviewpartner und Fernsehgast (z.B. Scobel) sowie Direktor des Max-Planck-Institut für Bildungsforschung und des Harding Zentrums für Risikokompetenz. Dort können Sie auch unter diesem Link Ihre eigene Risikokompetenz in einem kurzen Quiz testen.

Nach meinem Rundgang durch das Gebäude eilte ich um 23 Uhr ins Erdgeschoss, denn jetzt sollte der Science Slam im Saal loslegen. Vor dem Eingang hatte sich bereits eine große Menschenmenge gebildet, und die Chancen auf einen Platz schienen bei Null. Doch ich hatte Glück, und war unter den wenigen, die noch in den Saal hingelassen wurden.

Da ich noch keinen Slam besucht hatte, war ich gespannt, und die folgenden Vorträge erfüllten meine Erwartungen: Sie waren lehrreich und mit viel Humor gewürzt. Der Gewinner – wie passend zu Gigerenzer – war der Mathematiker Andreas Troll mit seinem Thema zum Fälschen von Statistiken. Einen bildhaften Rückblick zum Science Slam finden Sie hier.

Wie schrieb der bekannte Science-Fiction-Autor H. G. Wells (Krieg der Welten, Die Zeitmaschine), den auch Gigerenzer gern zitiert: Statistisches Denken wird eines Tages für mündige Staatsbürger ebenso wichtig sein, wie die Fähigkeit zu lesen und zu schreiben. Und diese Zeit ist angesichts der Datenberge, Studien, Graphiken und Tabellen, denen wir ständig begegnen und mit denen wir sinnvoll umgehen müssen, längst da! Damit wir nicht blind Experten vertrauen, sondern eigene, gute Entscheidungen treffen können.

Mein Tipp: Wenn Sie keine Zeit zum Besuch den Vortrags haben, lesen Sie sein Buch »Risiko: Wie man die richtigen Entscheidungen trifft« oder schauen Sie auf YouTube ein Video eines Vortrages mit ihm z.B. bei der Daimler AG.

Eine Möglichkeit für Führungskräfte ihr Entscheidungsverhalten in Bezug auf Mitarbeiter zu testen, bietet auch ein bestimmtes Verfahren: Dabei handelt es sich um ein Online-Assessment, in dem Szenarien präsentiert werden, zu dem der Teilnehmer angeben soll, wie er sich anhand von vorgegebenen Antwortoptionen entscheidet.

Freuen wir uns also auf das, was kommt!

Mit besten Grüßen, Stefan Klemens