Introvertierte Persönlichkeiten und ihr Berufserfolg - Teil 1: Neil Armstrong

363.000 Km entfernt im Weltall:

Alarm! Der Autopilot der Landefähre "Eagle" mit den Astronauten Neil Armstrong und Buzz Aldrin an Board wollte in einem felsigen Krater auf dem Mond landen, 4,5 Kilometer entfernt vom geplanten Ziel. Viel zu gefährlich, weshalb Armstrong kurzfristig das Steuer selbst in die Hand nahm und entschied, weiterzufliegen, bis er eine geeignete Stelle fand. Doch dann eine weitere kritische Situation: Die Treibstoffanzeige meldete, dass der Tank in Kürze leer sein würde.

Doch Armstrong als erfahrener Kampfpilot behielt die Nerven. Nebenbei kam es zu weiteren Pannen beim Mondanflug, so dass diese Situation, trotz der großen Erfahrungen beider Männer, eine außergewöhnliche psychische Belastung darstellte. Der folgende Ausstieg auf dem Mond, der Rückflug zum Mutterschiff »Columbia« in der Mondlaufbahn sowie die Rückkehr zur Erde verliefen ohne weitere Probleme und die Mondlandung wurde ein großer Erfolg. Der Rest ist Geschichte (vgl. Wikipedia zur Raumfahrtmission Apollo 11 der NASA).

Neil Armstrong: Der stille Held

Aufmerksam auf die Persönlichkeit Neil Armstrongs machte mich ein trauriges Ereignis der letzten Wochen: Neil Armstrong starb mit 82 Jahren am 25. August 2012 an den Folgen einer notwendigen Bypass-Operation am Herzen. Der erste Mensch auf dem Mond ist tot. Viele Zeitungen berichteten über das Leben und den Charakter von Neil Armstrong.

Frank Herrmann in der Rheinischen Post vom 27. August 2012 wählt für seinen Artikel über die Mondlandung den Titel »Armstrong - der stille Held«. Kennzeichnend seien für Armstrong gewesen seine seltenes Auftreten in der Öffentlichkeit, seine reservierte und bescheidene Art, sein Ausweichen vor Reportern und sein Rückzug auf eine Farm auf dem Land. Hierfür gab die Presse Armstrong den Spitznamen "Eremit von Cincinnati", so Herrmann, der auch Buzz Aldrin, den zweiten Mann auf dem Mond zu Worte kommen lässt: Neil wäre einer der scheuesten Menschen, die Aldrin kenne.

Beispiel für introvertierte und gewissenhafte Persönlichkeit

Neil Armstrong ist demnach ein schönes Beispiel für einen Menschen, der sehr niedrige Werte auf der Extraversionsskala der Persönlichkeit aufweist, also besonders introvertiert gewesen ist. Dies ist jedoch keineswegs ein Hindernis, um erfolgreich im Beruf zu sein. Beruflicher Erfolg hängt für viele Tätigkeiten in hohem Maße von einem anderen Persönlichkeitsmerkmal ab: Gewissenhaftigkeit. Und dass Neil Armstrong ein sehr gewissenhafter Mensch war, davon können wir ausgehen. Ein Kampfpilot und ein Astronaut muss jeden Schritt sehr sorgfältig prüfen, denn davon hängt sein Leben ab.

Armstrong als psychisch besonders belastbar

Und nicht nur Gewissenhaftigkeit ist hier ein Erfolgsfaktor, sondern auch der hohe Mut, die Belastbarkeit und die Gelassenheit, in entscheidenden Situationen die Nerven zu behalten und das Richtige zu tun. Über diese Merkmale muss ein Kampfpilot und ein Astronaut verfügen, und Neil Armstrong hatte sie, wie die kurze Episode zu Beginn zeigt.

Persönlichkeitsfaktor Emotionale Stabilität bzw. Neurotizismus

In der Sprache der Persönlichkeitspsychologie heißt diese Dimension emotionale Stabilität oder häufig auch Neurotizismus. Zentral für diese Eigenschaft ist das Ausmaß, in wie weit eine Person negative Emotionen auf äußere Reize und innerer Gedanken erlebt, die potenziell gefährlich sind. Personen unterscheiden sich also darin, wie hoch oder niedrig ihre Reizschwelle ist.

Am extremen Ende gerät die kleine Zahl der besonders Dünnhäutigen bereits bei minimalen Anlässen in Panik, während auf der anderen Seite der Skala am extremen Ende die kleine Gruppe der Dickfelligen erst bei sehr großer Gefahr reagiert. Dass beide extremen Reaktionsweisen Nachteile haben können (Leben in Angst oder Tod durch zu spätes Erkennen einer Lebensgefahr) ist offensichtlich.

Glücklicherweise, bzw. besser: aus evolutionären Gründen, haben die meisten Menschen jedoch Persönlichkeitsausprägungen auf der Skala Emotionale Stabilität, die um den Durchschnitt herum liegen (Exakter: die mit einer Standardabweichung über oder unter dem Mittelwert streuen und zirka 68 Prozent aller Menschen umfassen).

Andere Verhaltensweisen sind möglich

Armstrong besaß also eine hohe emotionale Stabilität, doch er ist auch ein schönes Beispiel dafür, dass Menschen nicht auf ihre typische Eigenschaft festgelegt sind und sich in bestimmten Situationen auch anders verhalten können.

Beweis: Kurz nach der Wahl Barack Obamas zum US-Präsidenten und dessen Entscheidung, keinen Menschen auf den Mond mehr schicken zu wollen, trat Neil Armstrong mit einem von ihm maßgeblich mitinitiierten offenen Brief an Obama in die Öffentlichkeit und er "protestierte, untypisch laut, im US-Senat", so Frank Herrmann in der Rheinischen Post. Hier zeigte der "stille Held" also einmal ein extrovertiertes Verhalten.

- Fortsetzung folgt -

 

Der zweite Teil von "Introvertierte Persönlichkeiten und ihr Berufserfolg: Triumph der Unauffälligen" erscheint in Kürze.

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