Psychische Fehlbelastungen bei der Arbeit: Was können Sie als Beschäftigter tun?

Lieber Besucher,

ergänzend zu meinem Blogbeitrag Beurteilt Ihr Arbeitgeber, ob die psychische Arbeitsbelastung Ihre Gesundheit gefährdet? vom 05. Juli 2015, finden Sie nachfolgend meine Antworten auf die Frage »Was können Sie als Führungskraft oder Mitarbeiter bei psychischen Fehlbelastungen tun?«:

  1. Den Arbeitgeber bzw. Verantwortlichen (z.B. Vorgesetzten, Personalabteilung) auf die gesetzliche Pflicht zur Gefährdungsbeurteilung der psychischen Belastungen bei der Arbeit hinweisen (am besten schriftlich), ggfs. auch anonym. Am besten Hinweis mit weiterem Nutzen verbinden und Beispiele anderer Arbeitgeber nennen (z.B. Kosten sparen durch Krankheitsausfall, Bindung der Mitarbeiter, Ruf in der Öffentlichkeit/Presse/sozialen Netzwerken); Gespräch mit Arbeitgeber / Verantwortlichen suchen, wenn Basis dafür vorhanden.
    http://www.gesetze-im-internet.de/arbschg/__5.html
  2. Sprecherausschuss, Betriebs- oder Personalrat, Betriebsarzt informieren und zum Handeln auffordern.
  3. Falls Arbeitgeber uneinsichtig ist oder verspricht und nichts passiert: Zuständiges Arbeitsschutzamt des Landes informieren. Dann erhält der Arbeitgeber eine Mahnung und die Aufforderung eine Gefährdungsbeurteilung auch der psychischen Belastungen durchzuführen. Die erste Mahnung ist in Deutschland noch ohne finanzielle Folgen für den Arbeitgeber, danach kann ein Bußgeld verhängt werden.
    Für NRW:
    http://www.arbeitsschutz.nrw.de/themenfelder/psychische_fehlbelastungen/...
    http://www.arbeitsschutz.nrw.de/service/ansprechpartner_beratung/index.php
    [Mit Telefonnummern und einem Online-Formular für eine Beschwerde]
    Folgen bei Unterlassung für den Arbeitgeber (Artikel über EU-weite Studie)
    https://www.qz-online.de/news/uebersicht/artikel/strafen-fuer-fehlende-g...
  4. Wenn gar nichts hilft oder es zu lange dauert: Lang- und mittelfristig: Andere Arbeitstätigkeit innerhalb oder außerhalb der Organisation bzw. des Unternehmens suchen, die weniger psychische Fehlbelastungen aufweist. Kurzfristig: Maßnahmen zur Erholung, Entspannung, Stärkung von Kompetenzen (z.B. Resilienz) und sozialer Unterstützung durchführen (jedoch keine dauerhafte Lösung, wenn psychische Fehlbelastungen dauerhaft zu hoch sind).
  5. Weitere, jedoch zweifelhafte Möglichkeit, wenn »change it« oder »leave it« nicht möglich sind oder nicht gewollt werden: »love it«.
  6. Medizinische Untersuchung, insbesondere in Bezug auf Indikatoren für eine hohe psychische Belastung, wie abnorme Werte beim »Stress«-Hormon« Cortisol (Messung auch über Speichelproben möglich). Hinweis: Es gibt eine Reihe von Untersuchungen (z.B. des Bio-Psychologen C. Kirschbaum und seinem Team), die zeigen, dass eine hohe Stressbelastung sich auf den Cortisol-Spiegel auswirkt, und dauerhafte hohe psychische Belastungen die Cortisol-Ausschüttung des Körpers verändern – natürlich zum Nachteil: Dauerstress mit fehlender Erholung erschöpft die kurzfristig gedachte Regulation der Immunabwehr durch die Cortisol-Ausschüttung, sodass der Körper immer weniger Belastungen ertragen kann.
  7. In bestimmten Fällen, z.B. wenn schon ein Schaden bzw. eine Erkrankung eingetreten oder absehbar ist, und Forderungen beim Arbeitgeber geltend gemacht werden sollen, ist auch der Rat und die Vertretung durch einen Anwalt mit Schwerpunkt Arbeitsrecht sehr sinnvoll.

 

Mit besten Grüßen

Stefan Klemens