TV & Persönlichkeit: Muster des Lebens

Foto: Stefan Klemens

Lieber Gast,

neben der Intuition beim Urteilen, dem gesunden Menschenverstand, liegt eine weitere zentrale Stärke von uns Menschen in der Mustererkennung. Und diese Fähigkeiten werden auch in Zukunft unser Überleben sichern.

Denn gerade hierbei haben Maschinen noch einen weiten Weg vor sich, wie der bekannte Physiker und Zukunftsforscher Michio Kaku in seinem Buch Die Physik der Zukunft zur Zukunft der Arbeit (S. 458 - 463) schreibt. Gerade bei diesen für uns scheinbar einfachen Tätigkeiten haben Roboter nämlich enorme Schwierigkeiten.

Dass jedoch beide Fähigkeiten auch Nachteile haben, wissen wir auch: Besonders in Situationen und mit Objekten mit wenig evolutionärer Erfahrung unterliegen wir einer Reihe von Urteilsverzerrungen (siehe z.B. Daniel Kahneman oder Gerd Gigerenzer), und auch unsere Fähigkeit, überall Zusammenhänge zu sehen (z.B. Gesichter in Wolken), kann uns auf die falsche Fährte führen, wenn es in Wahrheit gar keine Verbindung gibt (z.B. magisches Denken, Verschwörungstheorien).

Auch legen uns unsere Muster im Gehirn bestimmte Emotionen und Verhaltensweisen nahe, was ebenfalls gut, neutral oder auch schlecht sein kann, wenn man oder andere Personen darunter leiden. Im Fernsehen bei Scobel am 15. Oktober 2015 auf 3Sat war letzte Woche das Thema »Muster des Lebens«. Hier ging es zwar vorwiegend um menschliche Denk- und Verhaltensmuster, doch wies der Beitrag auch auf die Allgegenwärtigkeit von Mustern in der Natur und im Universum hin.

Nebenbei: Mehr zu Faltmustern als zentralem Prinzip der Natur sehen Sie in dem TV-Beitrag am 15.10.2015 auf 3Sat, der vor Scobel unter dem Titel Der Origami-Code lief, die die Natur vielfältig nutzt, und im Zuge der Bionik (Biologie als Vorbild für Technik) auch stärker in den Fokus von Wissenschaftlern und Ingenieuren gerät, z.B. für neue Modelle oder Materialien für die Luft- und Raumfahrt. Hier zeigt sich eindrucksvoll die Verbindung von Natur, Kunst, Schönheit und Funktionalität, wie sie z.B. in der Verwandlung einer Libellenlarve in eine Libelle offenbart, und als Vorbild für selbstentfaltende Roboter dienen können.

Besonders eindrucksvoll in Bezug zu den Persönlichkeitseigenschaften wie den Big Five, die grundlegende kognitive, emotionale und verhaltensbezogene Muster beschreiben, ist das in der Sendung von Scobel gezeigte Beispiel von Melina Royer, die seit ihrer Kindheit zurückhaltend (introvertiert) ist, darunter leidet, und erfolgreich versucht, mehr aus sich herauszugehen (also extrovertierter zu werden).

Was jedoch fehlt zu Beginn dieses Beitrags ist ein ganz zentraler Hinweis: Dass verhaltensgenetische Studien mit eineiigen Zwillingen (z.B. die Minnesota Twin Study) und die Epigenetik zeigen (siehe meinen Blogbeitrag hierzu), dass ein großer Teil der individuellen Ausprägungen bei den Persönlichkeitseigenschaften durch die Gene und die frühe Gehirnentwicklung bestimmt sind (und daher auch so schwer zu ändern sind), und nicht ausschließlich oder hauptsächlich durch die Erziehung und die Erfahrungen (ein überraschendes Ergebnis ist sogar, dass der genetische Einfluss mit dem Alter wächst, da der Einfluss der Umwelt durch Eltern, Schule und Gleichaltrigen mit dem Erwachsenwerden nachlässt).

Trotzdem sind Veränderungen auch bei den individuellen Ausprägungen der Persönlichkeitseigenschaften in einem bestimmen Rahmen möglich: Zum Beispiel, wenn man seine Komfortzone verlässt und sich Herausforderungen und Entwicklungsaufgaben (neuer Job, Heirat, Familie, Auslandaufenthalt, etc.) stellt.

Wichtige Erkenntnisse zur Veränderung der Persönlichkeitseigenschaften (Big Five) im Erwachsenenalter fand z.B. das Team um die Forscherin Jule Specht von der Uni Berlin heraus (siehe Zeit Online, derStandard.at, Uni, Blog, Bild der Wissenschaft). Besonders starke Einflussfaktoren auf die Persönlichkeitseigenschaften haben demnach berufliche Veränderungen, besonders der Start in das Berufsleben und der Abschied aus diesem.

Dies mag jetzt wenig überraschen, doch harte Zahlen sind besser als vage Vermutungen oder subjektive Erfahrungen. Denn ein Ergebnis ihrer Studie mit Daten von 30.000 Menschen, die über 30 Jahre erhoben wurden, ist auch, dass die Übernahme von Führungsverantwortung keine Auswirkungen auf die fünf Persönlichkeitseigenschaften hat! Die Erklärung: Erfolgreiche Führungskräfte verfügen bereits über bestimmte Ausprägungen bei den Big Five, die die Voraussetzungen für ihre Karriere sind – Und nicht die Folge.

Hier erfahren Sie mehr über die Messung des Big-Five-Profils Ihrer Mitarbeiter, oder wie Sie das Entscheidungsverhalten Ihrer Führungskräfte mittels eines Online-Assessments testen oder trainieren.

Mit besten Grüßen, Stefan Klemens

PS: Das Foto nahm ich während eines Salsa-Festivals in Kroatien auf. Tanzen folgt auch bestimmten Mustern, und Tanzenlernen hinterlässt bestimmte Muster im Gehirn - besonders im Kleinhirn, wo motorische Tätigkeiten und Abläufe automatisiert gespeichert werden.