Wie emotional stabil ist James Bond? Mein Keynote-Vortrag an der Hochschule Pforzheim

Pforzheim im Herbst 2015 - Blick auf den Fluss Enz

Pforzheim im Herbst 2015 (Blick auf die Enz in östlicher Richtung). Foto: Stefan Klemens

Lieber Leser,

in diesen Tagen läuft der neue James-Bond-Film mit dem Titel Spectre in den deutschen Kinos. Da können wir aus persönlichkeitspsychologischer Sicht fragen: Wie emotional stabil ist eigentlich 007?

Diese Frage stellte ich auch den Teilnehmern meines Keynote-Vortrages am 29. Oktober 2015 an der Hochschule Pforzheim. Der Anlass hierzu war die feierliche Übergabe der Urkunden des Deutschlandstipediums an besonders leistungsstarke und sozial aktive Studierende der Hochschule durch die Förderer, meist Unternehmen mit Sitz in der Region, wie die Porsche AG, die Klingel Gruppe und die Robert Bosch GmbH.

Als Einstimmung in den Abend hatte das Team um Rektor Prof. Dr. Ulrich Jautz ein Thema gewählt, das alle Teilnehmer sehr interessieren würde: Die Persönlichkeit als beruflichen Erfolgsfaktor. Genauer: Die Big-Five-Persönlichkeitseigenschaften. Als Redner für den Abend entschieden sie sich für mich – Auch aufgrund meines Interviews für den „pressesprecher“ vor einigen Monaten.

Zur Hochschule Pforzheim: Zwischen Karlsruhe und Stuttgart gelegen, ist die Hochschule Pforzheim mit über 6.000 Studierenden, rund 500 Mitarbeitern und den Bereichen Wirtschaft/Recht, Technik und Gestaltung eine der größten Fachhochschulen in Baden-Württemberg. Einem breiten Publikum dürfte jedoch ein besonderer „Absolvent“ bekannt sein: Nox the Robot (ich hatte kürzlich selbst das Vergnügen mit dem riesigem Kerl auf der Zukunft Personal).

Doch zurück zur Frage, wie emotional stabil James Bond ist. Die Antwort ist eher leicht, und Sie werden, wie die meisten Teilnehmer meiner Präsentation, wahrscheinlich sagen: Sehr, sehr emotional stabil.

Sicher, Agent 007 ist bekannt dafür, dass ihn keine noch so große Gefahr schreckt, und er – auch wenn die Welt droht ausgelöscht zu werden – cool bleibt und noch Zeit für das Trinken eines trockenen Martinis findet (natürlich geschüttelt!). Doch wie schaut es mit Barak Obama, Woody Allen, Alien-Heldin Ripley, Heinz Erhardt oder Angela Merkel aus? Diese weiteren Beispiele von Personen brachte ich, um die unterschiedlichen Ausprägungen von Menschen bei der Persönlichkeitseigenschaft Emotionale Stabilität zu illustrieren.

Personen mit sehr hohen Werten bei Emotionaler Stabilität sind nämlich entspannt, ausgeglichen, sorglos, selbstsicher, selbstbeherrscht und dickhäutig. Dagegen sind Personen mit sehr geringen Ausprägungen ängstlich, reizbar, sorgenvoll, schüchtern, genusssüchtig und sensibel (ok, Bond ist vielleicht auch etwas genusssüchtig angesichts seines Hanges zu Luxusgütern, doch es kommt auf alle einzelnen Fassetten eines Persönlichkeitsfaktors an).

Ähnlich anhand von realen und fiktiven Personen veranschaulichte ich die Ausprägungen der anderen vier Persönlichkeitseigenschaften des Fünf-Faktoren-Modells: Extraversion, Offenheit für Erfahrung, Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit. Zu Angela Merkel lagen mir dabei auch empirische Daten einer von meinem Unternehmen Klemens Consulting durchgeführten Studie vor, die die Big Five Persönlichkeitseigenschaften der Kanzlerin mit denen des ehemaligen SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück verglich.

Doch warum sollten die Teilnehmer und Sie Ihr eigenes Big-Profil kennen? Klare Antwort: Weil diese Ihren Erfolg im Beruf (und im Privatleben) mitbestimmen! Sie hängen z.B. mit dem Einkommen zusammen und mit der beruflichen Position und Tätigkeit, die, mit einer gewissen Toleranz einem bestimmten Big-Five-Profil entspricht. Beispielsweise sind Führungskräfte im Durchschnitt eher emotional stabiler, eher extravertierter, eher offen für Erfahrung, weniger verträglich und eher gewissenhafter als der typische Bürger.

Als wissenschaftliche Standardmodell bieten Ihnen die „Big Five“ im Einzelnen:

  • Eine gemeinsame und eindeutige Sprache,
  • viele Vergleichsmöglichkeiten mit Normdaten anderer Personengruppen,
  • Instrumente und Erkenntnisse, um den passenden Beruf und den passenden Bewerber zu finden sowie
  • eine Basis, von der Sie die Ziele von Veränderungen und Entwicklungen Ihrer Persönlichkeit (oder der Ihrer Klienten, Mitarbeiter, Führungskräfte) bestimmten und durchgeführte Maßnahmen hierzu bewerten können.

 

Womit sollten Sie anfangen? Nun ein erster Schritt ist es, Ihr eigenes Big-Five-Persönlichkeitsprofil zu bestimmen. Kostenfrei und wissenschaftlich fundiert empfehle ich Ihnen hierzu einen Online-Fragebogen, den Dr. Lars Satow (Psychologe bei SAP) entwickelt hat. Der Link dorthin ist http://www.psychomeda.de/online-tests/persoenlichkeitstest.html

Wer mehr wissen möchte, dem empfehle ich die Bücher von Daniel Nettle („Persönlichkeit: Warum du bist, wie du bist“), Thomas Saum-Aldehoff („Big Five“), Howard & Howard („Führen mit dem Big-Five-Persönlichkeitsmodell“) und Lothar Laux („Persönlichkeitspsychologie“). Meinen Artikel „Persönlichkeit: Ihr Erfolg mit den Big Five“ finden Sie hier.

Zum professionellen Einsatz der Big Five für die Auswahl und Entwicklung von Führungskräften, Mitarbeitern und Bewerbern sowie der Berufs- und Karriereplanung gibt es spezielle Verfahren des Online-Assessments mit ausführlichem Ergebnisbericht und weiteren Vorteilen.

Damit endete meine Keynote an diesem Abend. Der Beifall, einige Lacher während meiner Präsentation über unerwartete Bilder sowie die Rückmeldungen meiner Gastgeber zeigten, dass mir der Spagat zwischen fundierter Information und guter Unterhaltung gelang. Nach der folgenden Vorstellung der Förderer und der Übergabe der Urkunden des Deutschlandstipendiums hatten die Teilnehmer und ich beim anschließenden Get-Together mit schmackhaften Snacks und leckeren Getränken zudem die Gelegenheit, sich auszutauschen, bestehende Kontakte zu festigen und neue zu knüpfen.

Mein Fazit:
Für mich war es eine schöne Zeit in Pforzheim. Zudem war ich positiv überrascht, was eine aktive Hochschule alles leistet – auch außerhalb ihrer originären Lehr- und Forschungsaufgaben in der Verzahnung mit der beruflichen Praxis (z.B. ist im November Zukunftsexperte Matthias Horx zu Gast und die Veranstaltung „HR-Trends der Zukunft – Business meets Science“ findet statt).

Zum Schluss möchte ich noch einmal meinen Gastgebern danken: Insbesondere Herrn Andreas Weidemann für die gute Zusammenarbeit im Vorfeld und Herrn Prof. Dr. Jautz für das interessante Gespräch. Und einer anonymen Studierenden danke ich, die mich gut zum Veranstaltungsort lotste.

Sie haben Fragen zum Beitrag? Gerne kontaktieren Sie mich!

Mit besten Grüßen, Stefan Klemens

Nachtrag:
Den Rückblick zur Veranstaltung von Nina Heuservom 10. Dezember 2015 inklusive Fotos finden Sie im Blog der Hochschule Pforzheim unter folgenden Link:
https://blog.hs-pforzheim.de/deutschlandstipendium/2015/12/10/stipendien...