Wie kann ich 2016 meine Persönlichkeit ändern? Oder die meiner Führungskräfte und Mitarbeiter?

Quelle: YouTube / TEDx Talks

Sehr geehrter Gast,

bevor ich auf das Video zu sprechen komme, möchte ich Ihnen das Beste für 2016 wünschen! Und Sie fragen: Haben Sie sich gute Vorsätze für das neue Jahr vorgenommen? Möchten Sie z.B. mehr Sport treiben, weniger Stress haben oder mehr Zeit mit Familie und Freunden verbringen?

Oder vielleicht möchten Sie auch mehr aus sich machen, Ihr Potenzial abrufen und Ihre Persönlichkeit erweitern? Dann Sind sie Ihr richtig: Mein Beitrag wird Ihnen einige Anstöße geben, was Sie tun können!

Doch jetzt zum Video: Vielleicht haben Sie es sich bereits angesehen, vielleicht aber auch nicht (es dauert rund 18 Minuten). Um diesen Text zu versehen, ist das jedoch nicht notwendig, und Sie können es auch später noch tun. Worum geht es? Brian Little, ein renommierter Persönlichkeitsforscher und für seine unterhaltsamen Vorträge ausgezeichneter Harvard-Professor, zeigt uns, wie introvertierte und extravertierte Menschen sich unterscheiden, warum wir uns meistens aufgrund unserer Persönlichkeitsausprägungen verhalten, und was wir tun können, um uns zu ändern.

Passend hierzu erschien am 20. November 2015 der Artikel Wie stark kann ich mich für den Job verändern? von Sarah Schmidt auf süddeutsche.de. Wie auch Brian Little im Video, geht die Autorin zu Beginn auf das Fünf-Faktoren-Modell der Persönlichkeit ein (die »Big Five«), das sich als Standardmodell der Persönlichkeitseigenschaften etabliert hat und folgende Faktoren umfasst: Emotionale Stabilität (Neurotizismus), Extraversion, Offenheit für Erfahrung, Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit.

Sie finden mehr Informationen zum Fünf-Faktoren-Modell hier sowie in einer Reihe von meinen Blogbeiträgen auf dieser Website. Bitte beachten Sie, dass sich möglicherweise Ihr Verständnis dieser fünf Dimensionen von den Definitionen des Modells unterscheidet, und jeder der fünf Hauptfaktoren eine Reihe von Unterfaktoren umfasst (vgl. diesen Artikel von mir).

Die individuellen Ausprägungen auf diesen fünf Persönlichkeitseigenschaften haben sich im Alter von rund 30 Jahren stabilisiert, und sie verändern sich danach bei den meisten Menschen nur wenig – im Allgemeinen werden wir mit dem Alter, wie Studien zeigen, etwas emotional stabiler, weniger extravertiert, weniger offen für Erfahrung, etwas verträglicher und etwas gewissenhafter.

Und dies ist in der größten Zahl der Fälle auch gut so, wie ich meine, denn möchten Sie Menschen in Ihrem Umfeld haben, bei denen Sie nie sicher sind, wie diese morgen reagieren? Zu Recht erwarten Sie die meiste Zeit von Menschen, mit denen Sie eine berufliche oder private Beziehung eingegangen sind, ein konsistentes Verhalten. Sie möchten sich auf Personen verlassen können, erwarten von Ihrem Verkäufer, dass er stets (oder zu mindestens fast immer) nett ist und auf Sie zugeht, Ihrer Controllerin, dass sie stets sorgfältig die Zahlen checkt, und von Ihrem Entwickler, dass er häufig gute neue Ideen für Produkte hat.

In manchen Fällen ist es jedoch für sich oder andere wünschenswert (z.B. als Führungskraft), dass man sich in eine bestimmte Richtung hin ändert – wenigstens etwas. Dies trifft auf Menschen zu, die sich beruflich weiterentwickeln wollen, z.B. eine Leitungsposition übernehmen oder sich selbstständig machen, oder die in ihrer jetzigen Tätigkeit ihr Potenzial nicht entfalten bzw. berufliche Schwierigkeiten haben. (Auch im privaten und partnerschaftlichen Bereich spielen Persönlichkeits- oder Beziehungsveränderungen natürlich eine wichtige Rolle, doch dies ist hier nicht mein Thema.)

Beispielsweise sind die beruflichen Anforderungen an die Kommunikation im Vergleich zu früher durch Telefon, E-Mail und Smartphone stark gestiegen, was teilweise zu einer ständigen Erreichbarkeit der Arbeitstätigen führt. Hinzu kommt, dass Unternehmen immer mehr Einzelarbeitsplätze oder Zweierbüros aufgeben, und durch Großraumbüros ersetzen. Dadurch steigen natürlich die Unterbrechungen bei der Arbeit, der Anteil an interner Kommunikation wächst (was meist positiv ist) und die Lautstärke steigt (was meist negativ ist). Die Folge: Ruhiges Arbeiten wird erschwert.

Während extravertierte Menschen sehr gut damit klarkommen, und diese zusätzlichen äußeren Reize sogar benötigen, damit ihr Gehirn ein optimales Erregungsniveau erlangt, ist dies für introvertierte Menschen, zu denen rund drei von zehn zählen, sehr nachteilig: Durch die vielen äußeren Reize steigt das Erregungsniveau ihres Gehirn über das optimale Niveau, es wird »geflutet«, und eine optimale Leistung in Bezug auf die zu verrichtende Aufgabe ist dann nicht mehr möglich (einige Unternehmen wie Google haben daher auch spezielle Ruheräume eingerichtet, in denen sich Personen zurückziehen können).

Woher wissen wir das? Nun, hierzu gibt es eine Reihe von sorgfältigen psychobiologischen Studien und Erkenntnissen, die jedes gute Buch der Persönlichkeitspsychologie beschreibt. Ein aktuelles Werk hierzu, das zudem ausführlich auf die Frage des Titels meines Blogs eingeht, stammt von dem oben genannten »Mister« Little. Sein Buch mit dem Titel Mein Ich, die anderen und wir: Die Psychologie der Persönlichkeit und die Kunst des Wohlbefindens erschien im Oktober im Springer-Verlag (das amerikanische Original ein Jahr früher). Es ist auch gut für Laien zu lesen.

Brian Littles Perspektive (vgl. z.B. diesen Fachartikel von ihm) liegt auf den von ihm sogenannten »Free Traits« (freien Eigenschaften) und »Personal Projects« (persönlichen Anliegen). Seine zentrale These lautet: Wenn uns etwas wirklich wichtig ist, dann können wir uns auch in diesem Sinne verhalten – Auch wenn dieses Verhalten unseren Persönlichkeitsausprägungen weniger entspricht. Der Preis für ein solches Verhalten ist jedoch: Wir benötigen hierfür mehr Energie als Personen mit entsprechenden Persönlichkeitsausprägungen, und um diese Energie wieder aufzufüllen brauchen wir Erholungspausen und/oder Tätigkeiten und Zeiten, in denen wir uns wieder unseren Persönlichkeitsausprägungen entsprechend verhalten können.

Forscher Little ist selbst ein gutes Beispiel hierfür: Als introvertierter Mensch kosten ihn die vielen Vorträge vor Studierenden, Managern und anderen Gruppen viel Energie (und forderten gesundheitliche Rückschläge); Daher er benötigt vor und nach einem solchen Ereignis Ruhe und Einsamkeit. Doch er machte diese Vorträge gerne, da sie ein sehr wichtiges Anliegen von ihm erfüllten: Die Vermittlung von Wissen an seine Studierende und andere Personen und seine Sorge um deren Wohlbefinden.

Diese und eine Reihe von weiteren Informationen finden sich auch im Bestseller-Buch von Susan Cain mit dem Titel Still: Die Kraft der Introvertierten, das vor einigen Jahren erschien.

Ob Sie (oder Ihre Mitarbeiter) nun Ihre Persönlichkeitsausprägungen ändern möchten, sich entgegen diesen verhalten möchten um ein wichtiges Anliegen zu verfolgen oder sich so akzeptieren wollen, wie Sie sind: Die genannten Informationen sowie ich mit meinem Angebot unterstützen Sie dabei.

Ein erster wichtiger Schritt, um Ihre Persönlichkeitseigenschaften genauer kennenzulernen (oder die Ihrer Bewerber oder Führungskräfte), ist es, Ihr individuelles Big-Five-Persönlichkeitsprofil zu ermitteln. Hierzu gibt es kurze und kostenfreie Online-Verfahren als auch professionelle und kostenpflichtige Instrumente mit ausführlichem schriftlichen Ergebnisbericht und persönlicher Beratung im Rahmen eines Online-Assessments (siehe hierzu diesen Blogbeitrag).

Was auch immer Sie 2016 tun, ich wünsche Ihnen dabei viel Erfolg!

Mit besten Grüßen, Stefan Klemens